Einer der häufigsten und schwersten Fehler der modernen Soziologie ist die Unterschätzung der Tradition

13/06/2019

Ansprache Papst Pauls VI. an Pilger slowakischer Abstammung aus verschiedenen Ländern, vor allem aber aus den Vereinigten Staaten und Kanada (14.9.63), zum elfhundertjährigen Jahrestag der Ankunft der Heiligen Cyrill und Methodius in Mähren:

Gemälde von Eugene de Blaas.

„Es ist für die katholische Erziehung charakte­ristisch, aus dem Geschichtsstudium nicht nur Ele­mente der Kultur und Erinnerungen an vergangene Zeiten zu empfangen, sondern auch die Empfin­dung einer lebendigen Tradition, die den geistigen Anteil an der moralischen Erziehung liefert. Aber nicht nur das, die Tradition bietet auch eine dau­ernde Orientierung für einen, die Zeiten hindurch geradlinigen und sich selbst getreuen Fortschritt, eine Garantie der Beständigkeit und Widerstands­fähigkeit. Sie gibt dem Volk seine Würde und sein Lebensrecht und bringt ihm die Verpflichtung nahe, in Harmonie mit den anderen Völkern zu leben.

Heimkehr von der Ernte (Am Zugersee). Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller.

Einer der häufigsten und schwersten Fehler der modernen Soziologie ist die Unter­schätzung der Tradition, das heißt, zu glauben, daß eine sichere und solide Gesellschaft ohne Rücksichtnahme auf geschichtlich gewachsene Fundamente errichtet werden könnte, auf denen sie naturgemäß gestützt ist. Dieser Irrglaube besagt auch, daß der Bruch mit der, von den vorangegan­genen Generationen ererbten Kultur förderlicher für ein Volk sein könnte, wie eine zügige Entwick­lung, die klugerweise dem Schatz des Denkens und der übernommenen Bräuche treu bleibt.

Prozessionszug bei der Waldkapelle in der Ramsau bei Berchtesgaden. Gemälde von Leopold Munsch.

Mehr noch, wenn dieser ererbte Schatz reich an jenen universellen und ewigen Werten ist, die der Katholische Glaube dem Gewissen eines Volkes einprägt, bedeutet das Festhalten an der Tradition eine Garantie für ein moralisches Leben dieses Volkes; es vermittelt ihm das Bewußtsein seiner Existenz und macht es würdig für den Empfang des göttlichen Beistandes, welcher der weltlichten Stadt etwas vom Glanz und der Ewigkeit der himmli­schen Stadt verleiht.[1]

[1] Insegnamenti di Paolo VI, Tipografia Poliglotta Vaticana, 1963, Bd. I, S. 131.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, DOKUMENTE VI, #3

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