Rückkehr zur Ordnung Vorwort

23/08/2018

von Paul Herzog von Oldenburg

“Diene der Ordnung und sie wird Dir dienen” – so lautet ein bekannter Spruch, der dem Hl. Augustinus zugeschrieben wird. Ordnung wird dabei als der Zustand definiert, in dem alles so funktioniert, wie es dem Wesen der Dinge und ihrem Zweck entspricht. Irgendeine Form von Ordnung ist immer notwendig – für den Einzelnen, für eine Gesellschaft oder für eine Nation. Die Ordnung dient uns, ähnlich wie ein Kompass, als Orientierungshilfe.

Heutzutage ist angesichts der zunehmend chaotischen Zustände im Westen der Aufruf zu einer Rückkehr zur Ordnung zeitgemäßer denn je. Keine Botschaft trifft den Kern unserer heutigen Probleme besser als der Aufruf, den John Horvat II in seinem Buch Rückkehr zur Ordnung an uns richtet. Unordnung und Chaos haben alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst und ihre Auswirkungen werden im Leben der Menschen immer deutlicher sichtbar. Die allgemeine Hemmungslosigkeit, die daraus entstanden ist, äußerst sich in dem Anspruch, alles sofort und mühelos haben zu müssen.

Obwohl das Buch an eine amerikanische Leserschaft gerichtet ist, sind meiner Meinung nach die darin dargestellten Argumente von so universalem Charakter, dass sie auch für das deutsche Publikum von größter Aktualität sind. Die Globalisierung in unserer Zeit hat diese und ähnliche Probleme mittlerweile überall auf der Welt entstehen lassen. Sie hat auch auf den Märkten und in den Kulturen große Verwirrung gestiftet. Ich freue mich über die deutsche Ausgabe dieses Bestsellers, da die logisch einwandfreie und bis zu den tatsächlichen Quellen des Problems vorstoßende Analyse des Autors auch jedem Beobachter der Vorgänge in den deutschsprachigen Ländern eine tiefergehende Einsicht ermöglichen wird.

Gerade in unserer super-industrialisierten Gesellschaft, die oft nach außen hin Einheitlichkeit und rebungsloses Funktionieren demonstriert, ist eine solche Einsicht besonders wichtig. Horvat verfolgt die wesentlichen Gründe für die heutige wirtschaftliche Unordnung zurück zur Periode der industriellen Revolution.  Weit entfernt davon, jeglichen technologischen Fortschritt zu verdammen, beschäftigt er sich intensiv mit dem allgemeinen und anhaltenden Ungleichgewicht in der modernen Wirtschaft, das er als Ergebnis einer frenetischen Unmäßigkeit bezeichnet. Diese Unmäßigkeit destabilisiert zusehends unsere Wirtschaftsordnung und zerstört unsere Kultur. Sie hat die zwischengeschalteten Institutionen der Familie, der Gemeinschaft und des Glaubens zerstört, deren natürliche Aufgabe es ist, das nötige Gleichgewicht zu erhalten. Wir brauchen eine Rückkehr zu einer maßvollen Lebensweise, um Recht und Ordnung zurückzubringen – nur so kann es überhaupt wahren Fortschritt geben.

Ein weiteres, höchst interessantes Thema, mit dem sich Horvats Analyse beschäftigt, ist der postmoderne Individualismus, der in der derzeitigen Kulturrevolution eine so große Rolle spielt und dessen große Themen derzeit die Gender-Ideologie und die so genannte politische Korrektheit sind. Horvat argumentiert, dass dieser moderne Individualismus die äußeren Strukturen der Tradition, der Sitten und Gebräuche wie auch den sozialen Zusammenhalt zerstört hat, die früher ein egoistisches Ausleben der eigenen Interessen weitgehend im Zaum gehalten haben. Der heutige postmoderne Individualismus zerstört die inneren Strukturen der Logik, Identität und Einheit, die einer sofortigen Bedürfnisbefriedigung im Wege stehen.

Diese Beobachtungen helfen uns nicht nur zu verstehen, wo unser Fehler liegt, sondern auch, warum wir diesen Fehler überhaupt begangen haben.

Die richtige Formulierung der Probleme stellt eine Grundvoraussetzung für das Auffinden von Lösungen dar. Horvats Buch ist besonders beim Aufzeigen möglicher Lösungen von Mut und Originalität geprägt. Das Buch präsentiert kein neuartiges ideologisches System und auch keinen Plan, der alle unsere Probleme mit einem Schlag lösen soll.

Anstelle einer beliebigen neuen Ordnung fordert Horvat eine Rückkehr zur Odnung – mit anderen Worten, eine Rückkehr zu den Prinzipien unserer christlichen Vergangenheit, die mit Mut und Originalität im Denken auf unsere heutige Zeit angewendet werden müssen. Horvat steht unerschrocken zu seinem katholischen Glauben und zu seiner Überzeugung, dass die Kirche Lösungen für viele der modernen Probleme zu bieten hat. Seine gründliche und tiefgehende Forschungsarbeit hat verborgene Schätze zutage gefördert, die wir schon lange vergessen hatten. Wer beschäftigt sich heute etwa noch mit den wirtschaftlichen Folgen der Beichte? Oder mit Josef Piepers Ideen über die Wichtigkeit der Muße und der Werke der Barmherzigkeit? Wer würde in mittelalterlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit und Subsidiarität oder anderen Lehrmeinungen aus dieser Zeit nach den Grundsätzen wirtschaftlichen Handelns suchen?

Das Beste an diesen Lösungen ist jedoch, dass sie organisch sind und dass sie viel Platz für Lebhaftigkeit, Spontaneität und Unvorhergesehenes lassen. Sie sollen den Menschen vorgeschlagen, nicht aufgezwungen werden – Menschen sind keine Maschinen. Die moderne Sucht nach mechanistischen Systemen, die oft eine gewisse “Entmenschlichung” zur Folge hat, kann so umgangen werden. Organische Lösungen hingegen akzeptieren und respektieren die organische Natur des Menschen und die Bedeutung der Gnade im menschlichen Leben.

Der tschechische Dichter und frühere Staatspräsident Vaclav Havel hat die Postmoderne einmal als einen Zustand beschrieben, in dem alles möglich und nichts gewiss ist. Rückkehr zur Ordnung ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt; es bietet dem Leser Ausgangspunkte für seine Überlegungen über die Frage der Richtung, in die wir unsere Bemühungen lenken sollten. Und die Gedanken des Autors sind “auf Fels gebaut” – auf die Grundsätze und Gewissheiten des Glaubens, mit dem alles möglich ist.

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