Die revolutionären Grundsätze von 1789 beinhalteten die Summe aller Lehren der falschen Propheten

27/07/2017

Papst Benedikt XV. hielt aus Anlaß der Veröffentlichung des Dekrets über die Heldenhaftigkeit der Tugenden des Seligen Marcelin Champagnat[1]  am 11. Juli 1920 eine Ansprache, aus der wir die folgenden Auszüge wiedergeben:

„Man braucht sich ja nur den Anfang des 19. Jahrhunderts anzuschauen, um sofort zu erkennen, daß in Frankreich viele falsche Propheten auftauchten, die von hier aus versuchten, überall den schädlichen Einfluß ihrer perversen Lehren zu verbreiten. Es waren Propheten, die sich als Rächer der Volksrechte aufspielten und ein Zeitalter der Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit ankündigten. Wer sah denn nicht sogleich, daß sie nur als Schafe  verkleidet waren – ‘in vestimentis ovium’ ?

Heilige Marcellin Joseph Benoît Champagnat

Doch die von diesen Propheten verkündete Freiheit öffnete nicht die Tore zum Guten sondern zum Bösen. Die von ihnen gepredigte Brüderlichkeit grüßte Gott nicht als einzigen Vater aller Brüder; und die von ihnen angepriesene Gleichheit stützte sich nicht auf den gleichen Ursprung oder die gemeinsame Erlösung und auch nicht auf das Ziel, das für alle Menschen dasselbe ist. Es waren Propheten, die eine Gleichheit predigten, welche die von Gott in der Gesellschaft gewollten Klassenunterschiede vernichtet. Es waren Propheten, welche die Menschen Brüder nannten, um ihnen den Gedanken gegenseitiger Unterordnung zu nehmen. Es waren Propheten, welche die Freiheit verkündeten, das Böse zu tun, das Licht Dunkelheit zu nennen, das Falsche mit dem Wahren zu verwechseln und das erstere dem letzteren vorzuziehen, dem Irrtum und dem Laster die Rechte und Gründe der Gerechtigkeit und der Wahrheit zu opfern.

Es ist leicht verständlich, daß diese Propheten im Schafspelz ihrem Wesen nach, d.h. in Wirklichkeit reißende Wölfe waren ‘qui veniunt ad vos in vestimentis ovium, intrinsecus autem sunt lupi rapacis’ [sie kommen zu euch im Schafspelz, sind aber in Wirklich­keit reißende Wölfe].

Henri Jean-Baptiste Grégoire, 1750-1831, war ein französischer Priester, Konstitutioneller Bischof und Politiker zur Zeit der Französischen Revolution.

Wen wundert es da, daß gegen diese fälschen Propheten das schreckliche Wort erklingen mußten: `Hütet euch vor ihnen!’ –  ‘attendite a falsis prophetis’.

Marcelin Champagnat hat dieses Wort vernommen, und er verstand auch, daß es nicht nur ihm galt. Deshalb wollte er zum Echo dieses Wortes unter den Kindern des Volkes werden, denn er sah sehr wohl, daß gerade diese Kinder wegen ihrer eigenen Unerfahrenheit und infolge der Unkenntnis ihrer Eltern in Religionsfragen den Grundsätzen von 1789 am leichtesten zum Opfer fielen. …

‘Attendite a falsis prophetis’: das waren die Worte dessen, der dem Strom der Irrtümer und Laster Einhall gebieten wollte, dem Strom, der sich infolge der Französischen Revolution über die ganze Erde zu ergießen drohte. ‘Attendite a  falsis prophetis’: das waren die Worte, die den Auftrag deutlich machen, den Marcelin Champagnats zu dem seinigen machte. Diese Worte dürfen nicht in Vergessenheit geraten, wenn man sein Leben studieren will.

Es ist nicht uninteressant, daß Marcelin Champagnat, geboren 1789, dazu bestimmt war, die praktische Umsetzung eben der Grundsätze zu bekämpfen, die mit der Zahl seines Geburtsjahres bezeichnet wurden und eine traurige, schmerzliche Berühmtheit erlangen sollten.

Um sein Werk zu rechtfertigen, hätte es genügt, das heutige Tagesevangelium weiterzulesen, denn ein einfacher Blick auf die Wunden, welche die 89er Grundsätze in den Schoß der bürgerlichen und religiösen Gesellschaft gerissen haben, würden zeigen, in welchem Maße jene Grundsätze die Summe aller Lehren der falschen Propheten beinhalteten: `a fructibus eorum cognoscetis eos’…

Zum Wachstum der Häuser der Kleinen Brüder Mariens [Maristen-Brüder] und zur Orientie­rung der dort lebenden jungen Menschen trug ohne Zweifel die Gottesmutter durch ein Bild bei, das zuerst erschien, dann wieder verschwand und schließlich wiedergefunden wurde. Wahrhaft wundervoll war jenes erste Aufblühen der Gemeinschaft, und es läßt sich nur durch das ununterbrochene, außerordentliche Anwachsen erklären, daß nicht ganz fünfzig Jahre nach der Gründung bereits fünftausend Brüder der neuen Institution hunderttausend über den ganzen Erdkreis zerstreuten Burschen auf dem ganzen Erdkreis heilsame Erziehung zukommen ließen.

Die Maristen-Brüder wurde am 2. Januar 1817 von dem französischen Priester Marcellin Champagnat in La Valla-en-Gier (Loire, Frankreich) gegründet.

Hätte der ehrwürdige Champagnat in prophetischem Licht diesen außerordentlichen Erfolg vorausgesehen, würde er sicherlich jene übergroße Anzahl von Jungen bedauert haben, die weiterhin im Schatten des Todes und in der Dunkelheit des Unwissens verblieben waren. Mehr noch hätte er bedauert, daß er nicht noch besser die unheilvolle Entwicklung des schädlichen Samens, der durch die Französische Revolution verbreitet worden war, aufhalten konnte. Ein Gefühl tiefster Dankbarkeit Gott gegenüber für das Gute, das von der Kongregation getan worden war, hätte ihn jedoch auch zu der Feststellung veranlaßt, daß so, wie sich aus den schlimmen Früchten der Lehre einiger zeitgenössischer Propheten deren Falschheit ableiten läßt, auch das Heran­reifen guter Früchte aus einem Werk auf dessen Güte schließen läßt. ‘Igitur ex fructibus eorum cognoscetis eos’.[2]

 

[1] Der Selige Marcelin Joseph Benedikt Champagnat, Gründer der Maristen-Schulbrüder, geboren am 20. Mai 1759 und gestorben am 6. Juni 1840, wurde von Papst Pius XII. am 29. Mai 1955 seliggesprochen.

[2] L’Osservatore Romano,  12.-13.7.1920, 2. Aufl.

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira. Anhang II, Teil 6, pp. 237-239

 

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