Von Plinio Corrêa de Oliveira

Wie gewaltig täuscht sich die moderne Welt, wenn sie das Altern als eine bloße Dekadenz betrachtet. Wenn man die geistigen Werte mehr als die leiblichen zu schätzen weiß, bedeutet das Altern ein Wachsen in dem, was im Menschen das edelste ist, die Seele. Obwohl das alt werden die Dekadenz des Körpers mit sich bringt, der nur das Materielle Element der menschlichen Person ausmacht. Und welch eine Dekadenz! Es kann gut sein, das der Leib an Schönheit und an Kraft verliert, aber er wird bereichert mit der Transparenz einer Seele, die sich im Laufe eines ganzen Lebens zu wachsen und zu entwickeln wusste. Transparenz, die die erhabenste Schönheit darstellt, die das menschliche Antlitz auszudrücken vermag.

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Die hl. Maria Eufrasia Pelletier wurde 1798 in der Vendée, Frankreich, geboren. Sie gründete eine Kongregation von Lehrerinnen und starb 1868. Ihr Fest wird am 24. April gefeiert.

Nichts dessen, was Anmut bedeutet, hat ihr in der Jugend gefehlt: Die Vollkommenheit der Gesichtszüge, die Schönheit der Augen und der Haut, die Vornehmheit der Physiognomie, der Adel in der Haltung, die Frische und die Grazie der Jugend. Mehr noch, der Glanz einer strahlenden, logischen, kräftigen, reinen Seele, kam stark in ihrem Antlitz zum Ausdruck. Sie ist eigentlich der prächtige Typ einer christlichen jungen Frau.

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Nun sehen wir sie im Alter. Vom Reiz der früheren Jahre blieb nur ein vages Parfüm. Aber eine andere, höhere Schönheit strahlt aus diesem bewundernswerten Antlitz. Der Blick hat an Tiefe gewonnen; eine edle und unerschütterliche Gelassenheit scheint in ihm etwas von dem erhabenen und endgültigen Adel der Seligen in der himmlischen Glorie anzukündigen! In ihrem Gesicht haben die harten Kämpfe des geistigen und apostolischen Lebens einer Heiligen ihre Spuren hinterlassen. Es hat etwas Starkes, Vollkommenes, Unveränderliches erreicht: Es ist die Reife im schönsten Sinn des Wortes. Der Mund ist eine gerade, dünne, ausdrucksvolle Linie, die das typische Merkmal eines eisernen Charakters darstellt. Ein großer Friede, eine Güte ohne jegliche romantische Schwärmerei und Illusion, geprägt durch einen gewissen Rest der vergangenen Schönheit, strahlen noch von dieser Physiognomie aus.

Der Leib ist der Dekadenz verfallen, aber die Seele ist dermaßen gewachsen, dass sie schon ganz in Gott ist, was die Worte des hl. Augustinus in Erinnerung ruft: „Unser Herz, o Herr, wurde für Dich geschaffen und es findet erst dann Frieden, wenn es ruht in Dir.“

Wer würde es wagen zu behaupten, dass das Altern der hl. Maria Eufrasia gleich einem Prozess der Dekadenz war?


(freie Übersetzung aus „Catolicismo“, November 1952)
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Ansprache des Papstes Paul VI. an seine Lands­leute aus Brescia (26.9.1970):

Kaiserin Zita und ihr Sohn Erzherzog Otto bei der Krönung zur Königin von Ungarn im Jahr 1916. Gemälde von Gyula Éder (1875-1935)

„Erlaubt, daß einer Eurer Landsleute von gestern, einem der höchsten Werte des menschli­chen Lebens seine Ehrerbietung erweist, der zu­gleich einer der vernachläßigsten ist: der Tradi­tion. Sie ist ein fruchtbringender Schutz und ein Erbe, welches bewahrt werden muß. Die neuen Generationen sind alle der Gegenwart, oder sogar der Zukunft zugeneigt. Das ist gut so, wenn diese Tendenz nicht den tatsächlichen und allgemeinen Überblick auf das Leben verdunkelt. Denn, die Gegenwart auszuschöpfen und die Zukunft vorzu­bereiten, kann die Vergangenheit uns nützlich und, in gewisser Hinsicht, unentbehrlich sein.

Eine gesellige Runde, gemälde von Otto Goldmann.

Die revo­lutionäre Trennung von der Vergangenheit bedeu­tet nicht immer eine Befreiung, zu oft nur ist sie die Trennung von den eigenen Wurzeln. Um wirkliche Fortschritte zu machen und nicht zurückzufallen, ist es nötig, den geschichtlichen Sinn unserer Erfahrungen zu erkennen. Das stimmt sogar auf dem Gebiet der äußerlichen Dinge, technisch-wissen­schaftlicher oder politischer Natur, wo die Verän­derungen rascher erfolgen und mit mehr Unge­stüm. Mehr noch gilt das jedoch auf allgemein menschlichem Gebiet und besonders für die Kultur. Und es gilt für unsere Religion, die insgesamt als Tradition von Christus herkommt.“[1]

[1] Insegnamenti di Paolo VI, Tipografia Poliglotta Vaticana, 1970, Bd. VIII, S. 943-944.

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, DOKUMENTE VI, #5

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Opferbereitschaft

08/08/2019

In den Zeiten, in denen diese besonderen Gruppen gediehen und ihre Aufgaben erfüllen konnten, durchdrang der Geist ihrer ständigen persönlichen Opferbereitschaft und Disziplin die gesamte Gesellschaft und gab für alle den Ton an; dies war für alle eine Hilfe bei der Kontrolle und Zähmung ihrer ungeordneten Leidenschaften. Durch diesen Geist wurden die Barbaren zunächst mit Waffengewalt und dann durch Gebet und Buße unter dem freundlichen und großzügigen Einfluss der Kirche zivilisiert und kultiviert.

Taufe Chlodwigs I

Summerfield Ballwin fasst dies folgendermaßen zusammen: „Es war der Weg des Kreuzes . . . der die Köpfe und die Herzen des Christentums beschäftigte.”1 Dieser Geist der Entsagung durchdrang die Wirtschaft, die Kunst und die Gedankenwelt und verlieh allem Menschlichen Wert, Sinn und Schöheit.

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1 Summerfield Ballwin, Business in the Middle Ages (New York: Cooper Square Publishers, 1968), 5.

Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Kapitel 49

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Sich von der Vergangenheit abzusetzen, ist die Ursache von Unruhe, Angst und Unsicherheit

25 July 2019

Homilie des Papstes Paul VI. für die Messe in der Basilika des Heiligen Lorenz al Verano am 2.11.1963: „Wir haben die Gewohnheit, immer nach vorne zu sehen und schätzen die Verdienste von gestern oftmals gering; wir sind wenig geneigt, dankbar zu sein dem Andenken und der Verbundenheit mit unserer Vergangenheit, ebenso der Treue, die wir […]

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Respekt vor der Tradition behindert keineswegs den wirklichen Fortschritt

11 July 2019

Aus der Ansprache Papst Pius’ XII. an die Professoren und Schüler des Lizeums Ennio Quirino Visconti in Rom, am 28.2.1957: „Gerechterweise wurde festgestellt, daß eine der Charakteristika der Römer der Respekt vor den Traditionen ist, gleichsam ein Geheimnis der dau­ernden Größe der Ewigen Stadt. Dieser Respekt bedeutet keine Festlegung auf von den Zeiten überholte Formen; […]

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Die wirklichen Freunde des Volkes sind Traditionalisten

27 June 2019

Aus dem Brief des hl. Papstes Pius X. Notre Charge Apostolique vom 25.8.1910: „Auf jeden Fall sollten sich diese Priester (die sich den Werken der katholischen Aktion widmen) im Gewirr der modernen Ideen nicht durch das Gaukelbild einer falschen Demokratie verleiten lassen; sie sollten nicht die Rhetorik der schlimm­sten Feinde der Kirche und des Volkes […]

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Einer der häufigsten und schwersten Fehler der modernen Soziologie ist die Unterschätzung der Tradition

13 June 2019

Ansprache Papst Pauls VI. an Pilger slowakischer Abstammung aus verschiedenen Ländern, vor allem aber aus den Vereinigten Staaten und Kanada (14.9.63), zum elfhundertjährigen Jahrestag der Ankunft der Heiligen Cyrill und Methodius in Mähren: „Es ist für die katholische Erziehung charakte­ristisch, aus dem Geschichtsstudium nicht nur Ele­mente der Kultur und Erinnerungen an vergangene Zeiten zu empfangen, […]

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Die Heimkehr

23 May 2019

Wir haben das Gespenst einer großen Krise heraufbeschworen, deren unmittelbare Ursache der bevorstehende Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems ist, der ein Zerbrechen unseres nationalen Konsenses und unseres “American way of life” zur Folge haben wird. Diese Krise wird eine große materielle Verwüstung anrichten, doch ihre schlimmsten Auswirkungen werden spiritueller Natur sein. Obwohl wir auch einige praktische Richtlinien […]

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Groß ist der Einfluß unserer Abstammung auf unsere Handlungen

9 May 2019

Aus den Totengebeten für Philippe-Emmanuel von Lothringen, Herzog von Mercoeur et Penthièvre, gehalten vom hl. Franz von Sales (1567-1622), Fürst-Bischof von Genf und Kirchenlehrer, am 27. April 1602 in der Kathedrale Notre-Dame zu Paris: „Immer ist es Gott selbst, der in uns unsere vollständige Errettung bewirkt, deren großartiger Baumeister Er ist: Er erteilt seine Gnadengaben […]

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Die sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen

25 April 2019

Obwohl auch wir der Ansicht sind, dass die Sphäre der Kirche hauptsächlich im spirituellen Bereich liegt, ist es eine Tatsache, dass die Kirche auch eine sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist eine lebendige Kraft, eine organisierte hierarchisch geordnete Institution und ein öffentliches Forum, mit enormem Einfluss auf die Gesellschaft und damit auf die Geschichte. […]

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Das höchste Gu

11 April 2019

Da sich der Staat mit dem Gemeinwohl aller seiner Mitglieder beschäftigt, haben Aristoteles und katholische Autoren von Augustinus aufwärts den Staat als die höchste und wichtigste irdische Form der gesellschaftlichen Vereinigung angesehen. Dies ist der Grund, warum so viele sogar bereit waren, ihr Leben für seinen Fortbestand zu geben. Ein Staat dieser Art ermöglicht es […]

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Der Staat — Schutzmacht der allgemeinen Ordnung

28 March 2019

Als oberste Instanz stellt der organische Staat für diese Föderation die Einheit und die entsprechenden Rahmenbedingungen her. Weit davon entfernt, das Machtmonopol des modernen Staats für sich zu beanspruchen, ist der organische Staat nicht daran interessiert, diese untergeordneten Gruppen zu zerschlagen oder zu unterwerfen. Im Gegenteil, er arbeitet daran, die allgemeine Ordnung, die sie trägt, […]

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Maria, Josef und natürlich Jesus stammen aus königlichem Geschlecht

14 March 2019

Aus einer Predigt des heiligen Bernhardin von Siena (1380-1444) über den heiligen Josef: „Erstens bedenken wir den Adel seiner Gattin, das heißt, der Allerheiligsten Jungfrau. Die Glückselige Jungfrau ist das alleredelste aller Ge­schöpfe, die je in menschlicher Natur existiert haben mögen, die tatsächlich oder möglicherweise erschaffen worden sein könnten. Nach dem hl. Matthäus (1. Kap.) […]

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