Die heilige Pforte wird vom Papst zu Beginn des heiligen Jahres mit drei symbolischen Hammerschlägen geöffnet. Papst Pius XII und die Porta Santa.

“Ihr habt Euch heute um Uns versammelt, zu Beginn des Jahres, das die Mitte des 20. Jahrhun­derts bildet, des Jubeljahres, das mit der Öffnung der Heiligen Pforte beginnt.”
Die heilige Pforte wird vom Papst zu Beginn des heiligen Jahres mit drei symbolischen Hammerschlägen geöffnet. Papst Pius XII und die Porta Santa.

Wenn Wir, geliebte Söhne und Töchter, in Über­einstimmung mit dem Beispiel Unserer Vorgänger, Uns angewöhnt haben, Euch zum Beginn des Neuen Jahres zu empfangen, um Eure Glückwün­sche entgegenzunehmen und zu erwidern, werden Wir dazu – fern allen Überlegungen oder menschlicher Vorliebe – durch Gründe der Ehre und Treue bewogen. Wir grüßen in Euch die Nachfahren und Vertreter der Familien, die sich ehemals durch ihre Dienste für den Heiligen Stuhl und den Stellvertre­ter Christi ausgezeichnet haben und dem Papst treu geblieben sind auch dann, wenn sie sich dadurch Beschimpfungen und Verfolgungen ausgesetzt haben. Ohne Zweifel kann sich, im Laufe der Zeit, die soziale Ordnung und ihr Mittelpunkt verschie­ben. Die öffentlichen Ämter, die einst Eurer Klasse vorbehalten waren, könnten jetzt nach dem Gleich­heitsprinzip zugeteilt und versehen werden. Und doch kann selbst der moderne Mensch Euch, wenn er ehrlich und gerecht sein will, Verständnis und Anerkennung nicht verweigern. Beweise des ver­dienten Gedenkens, die als Ansporn für die Zukunft dienen sollen.

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Der Sehn­sucht nach Versöhnung und Frieden unter den Menschen, die der Krieg und soziale Kämpfe soweit entzweit haben.

Ihr habt Euch heute um Uns versammelt, zu Beginn des Jahres, das die Mitte des 20. Jahrhun­derts bildet, des Jubeljahres, das mit der Öffnung der Heiligen Pforte beginnt. Die religiöse Zeremo­nie der drei Hammerschläge auf die Mitte der Pforte, hat an sich schon symbolische Bedeutung. Sie ist ein Symbol der allumfassenden Verge­bung. Wie kann man also den lebendigen Eindruck erklären, den diese Zeremonie nicht nur unter den Kindern der Kirche, die den tiefen Sinn verstehen können, erweckt, sondern auch bei denen, die ferne stehen, und die scheinbar nur für das empfänglich sind, was sie berühren können, oder sich messen und beziffern läßt?

Die besondere Kraft des Segens...in die gesamte Menschheit ausstrahlen soll, wird zum großen Teil von der Mitwirkung abhängen, welche die Katholiken vor allem durch Gebet und Buße leisten. Linzer Dom Buntglasfenster vor Kaisers Franz Joseph des österreichischen betend vor einer Unsere Dame.

Die besondere Kraft des Segens…in die gesamte Menschheit ausstrahlen soll, wird zum großen Teil von der Mitwirkung abhängen, welche die Katholiken vor allem durch Gebet und Buße leisten.
Linzer Dom Buntglasfenster vor Kaisers Franz Joseph des österreichischen betend vor einer Unsere Dame.

Müssen Wir das vielleicht als Vorahnung und Erwartung des neuen halben Jahrhunderts nehmen, weniger bela­stet durch Bitterkeit und Enttäuschungen? Als Symptom eines ansteigenden Bedürfnisses der Reinigung und Wiedergutmachung? Der Sehn­sucht nach Versöhnung und Frieden unter den Menschen, die der Krieg und soziale Kämpfe soweit entzweit haben? Wie könnten Wir dann, in demütigem christlichen Vertrauen in diesem so glücklichen Beginn des Jubeljahres, den Fingerzeig Gottes übersehen?

Euch selbst, geliebte Söhne und Töchter, werden Gelegenheiten dazu nicht fehlen, den anderen voranzugehen und sie durch Eure guten Beispiele nachzuziehen... Der Mut des General Rajewski von Mykola Samokysh.

Euch selbst, geliebte Söhne und Töchter, werden Gelegenheiten dazu nicht fehlen, den anderen voranzugehen und sie durch Eure guten Beispiele nachzuziehen…
Der Mut des General Rajewski von Mykola Samokysh.

Die besondere Kraft des Segens, den das Heilige Jahr in die gesamte Menschheit ausstrahlen soll, wird zum großen Teil von der Mitwirkung abhän­gen, welche die Katholiken vor allem durch Gebet und Buße leisten. Was das betrifft, haben die Gläubi­gen Roms dabei besondere Pflichten und Verant­wortung. Ihre Art sich zu verhalten und ihr Lebens­stil werden in diesem Jahr ganz besonders auch von der weltweiten Kirche beobachtet werden, der Kirche, die durch die Menge der Pilger ver­treten ist, die aus allen Teilen der Welt in die Heilige Stadt ziehen werden. Euch selbst, gelieb­te Söhne und Töchter, werden Gelegenheiten dazu nicht fehlen, den anderen voranzugehen und sie durch Eure guten Beispiele nachzuzie­hen: Beispiele des inbrünstigen Gebetes, einfa­cher christlicher Lebensart, des Verzichtes auf Bequemlichkeit und Genuß. Beispiele, echter Bußfertigkeit, herzlicher Gastfreundschaft und der gewissenhaften Erfüllung der Liebesdienste zu Gunsten der Einfachen, Leidenden und Armen. Beispiele, des unerschrockenen Einsatzes für die Sache Gottes.

...des unerschrockenen Einsatzes für die Sache Gottes. Judith mit dem Haupt des Holofernes, Sankt Théodore Guérin Shrine, Terra Haute, Indiana, USA.

…des unerschrockenen Einsatzes für die Sache Gottes.
Judith mit dem Haupt des Holofernes, Sankt Théodore Guérin Shrine, Terra Haute, Indiana, USA.

Die Klasse, der Ihr angehört, bringt Euch außerdem auch leichter und häufiger in Kontakt mit be­deutenden Persönlichkeiten anderer Länder. Trach­tet mit Fleiß danach, bei solchen Gelegenheiten die Annäherung zwischen den Menschen und Völkern zu fördern. Möge die Welt am Ende des Heiligen Jahres gelassener erscheinen, in Ruhe und brüder­licher Einigkeit!

Mit diesen Wünschen erteilen Wir, von ganzem Herzen, Euch und Euren Familien, besonders denen in der Feme und den Kranken, Unseren väterlichen, Apostolischen Segen.[1]

 

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[1] Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII, Tipografia Poliglotta Vaticana, 12.1.1950, S. 357-355.

 

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Adel Verpflichtet

11/08/2016

Das Werk “Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten” von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ist auf Deutsch erschienen. Die Buchpräsenation war am 30. Oktober in Wien.

 

 

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Plinio Correa de Oliveira

Sechs Uhr Abends. Das Tageswerk ist vollbracht. Eine erhabene Ruhe umhüllt die weiten Felder. Sie lädt ein zur Rast und Einkehr. Eine goldene Abenddämmerung verklärt die Natur. Alles scheint einen fernen und milden Glanz der unbeschreiblichen Majestät Gottes wider zu geben. Leise ertönt in der Ferne das Läuten des Engel des Herren. Es ist die kristalline und materielle Stimme der Kirche, die zum Gebet ruft. Die Feldarbeiter beten. Es sind zwei junge Menschen, die Gesundheit ausstrahlen und denen man die lange Gewohnheit der Feldarbeit ansieht. Ihre Kleidung ist bäuerlich grob. Doch aus ihrem ganzen Wesen schimmert Reinheit, Erhabenheit und die natürliche Zartheit tief christlicher Seelen. Ihr bescheidener gesellschaftlicher Stand wird irgendwie durch ihre andächtige Haltung verklärt und beleuchtet und erweckt Ehrfurcht und Zuneigung. Ihren Seelen widerstrahlen die goldenen Strahlen der Sonne; doch einer in jeder Hinsicht viel höheren Sonne: der Gnade Gottes.

Jean-François Millet: Das Angelusläuten

Jean-François Millet: Das Angelusläuten

Wahrlich, die Schönheit ihrer Seelen ist der Mittelpunkt des Bildes, der höchste Punkt der ästhetischen Empfindung. Die dargestellte Natur ist schön, aber sie dient nur als Umgebung, um die Schönheit dieser durch den Sohn Gottes erlösten Seelen zum Ausdruck zu bringen.

Nichts weist bei diesen Bauernleuten auf Ruhelosigkeit oder Unwohlsein hin. Sie entsprechen ganz ihrer Umgebung, ihrer Arbeit, ihrem Stand. Welch andere Würde, welch anderes Schicksal könnte dieses Paar sich wünschen?

Millet hat auf bewundernswerter Weise in seinem Gemälde die notwendigen Grundlagen zusammengeführt, um die Würde der Arbeit in einer gelassenen und glücklichen Atmosphäre der echten christlichen Tugend zu verstehen.

*     *     *

     Solche Augenblicke sind jedoch nicht die Regel des Lebens auf dem Lande. Millet hat hier, sagen wir, mit einem Schnappschuss, einen Höhepunkt materieller und moralischer Schönheit des Landlebens eingefangen. Aber nicht nur das. Sein Bild hat die Eigenschaft den Menschen Gelegenheit zu geben, das echte und häufige Aufflackern dieses christlichen Ausdruckes der Seelen und der Gegenstände in einer von der Kirche wirklich durchtränkten Umgebung zu sehen und zu bewundern.

Die geistige Haltung, die Millet dem Betrachter seines Bildes mitteilt, ist ganz auf Gott und dem Abglanz der geistigen und materiellen Schönheit gerichtet, den Er auf die Schöpfung wirft.

In einer psychologischen Kritik des Bildes, müsste man, um genau zu sein, ein gewisses Übermaß an Sentimentalität beanstanden.

*     *     *

     Könnte man, das ebenfalls im ländlichen Leben inspirierte Bild von Yves Alix, „Le maître des moissons“, in gleichem Maße loben?

Yves Alix: "Le Maitre des Moissons"

Yves Alix: “Le Maitre des Moissons”

Der Maler hat hier, in seiner Sicht der landwirtschaftlichen Arbeit, nichts von dem beobachtet, gespürt und angenommen, was sie würdig macht von einem Kind Gottes verrichtet zu werden.

In diesem Gemälde hat nicht der Geist die Materie unterworfen und sie geadelt, sondern die Materie ist im Geist eingedrungen und hat ihn erniedrigt. In den Körpern hat die materielle Arbeit eine so zu sagen ruchlose Brutalität eingeprägt. Den Gesichtsausdrücken entströmt eine Gesinnung die an Kneipen und Konzentrationslagern erinnert. Wenn die Personen im Hintergrund nicht so versteinert wären und weinen könnten, wären ihre Tränen aus Galle; wenn sie stöhnen könnten, wäre es wie das Knattern von Zahnrädern. Aus dem Mund der schreienden Person im Vordergrund entströmt die Traurigkeit, die Bosheit, die Kakophonie der Farben, der Formen und der Seelen. Man weiß nicht richtig, was er schreit, ob eine Drohung oder eine Gotteslästerung.

Yves Alix vereinte, übertrieb und entstellte bis zum Wahnsinn die Ansichten, durch welche die Arbeit Sühne und Leiden und die Erde ein Verbannungsort ist. Mit einer gewissenhaften – und wie begeisterten – Treue bringt er zum Ausdruck, was die menschliche Seele am scheußlichsten und niedrigsten hat, um das Ganze als die reale und normale Sicht des täglichen geistigen und beruflichen Lebens der Arbeiter darzustellen.

Und deshalb: Während das Meisterwerk von Millet ein Gebet aushaucht, entströmt dem Alptraum des Yves Alix der Mief der Revolution.

Wenn Gott den Engeln erlauben würde, die Erde zu verschönern, würden sie es in dem Sinne tun, die schönsten Aspekte, die Millet beobachtete und zusammentrug, zu vermehren und dauerhaft zu machen. Würde Er den Teufeln erlauben, den Menschen und die Schöpfung zu verunstalten, würden sie Leib und Seele, Gegenstände, Personen und Ambiente wie im Gemälde von Yves Alix dargestellt, umwandeln.

 

(Aus „Catolicismo“ Nr. 9 – September 1951)    

 

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