Was Päpste, Heilige, Kirchenlehrer und Theologen über die Zulässigkeit des Krieges denken

Der mittelalterliche Geist, kampfbereit und kriegerisch, ebenso wie der vergleichbare Charakter der Kirche, kann mögli­cherweise die „Fundamentalisten“ des zeitgenössi­schen Pazifismus verwundern. Sie sind absolut nicht bereit, irgendeine Art von Krieg zu tolerieren und in ihren Ohren sind Ausdrücke wie „heiliger Krieg“ und „gerechter Krieg“ vollkommene Wi­dersprüche.

Heiligen Augustinus von Hippo

Es ist daher sicher nicht überflüssig, ver­schiedene päpstliche Texte und Niederschriften ka­tholischer Denker darzulegen, nach denen man erkennen kann, daß dieser Widerspruch nicht existiert.

 

  1. Das legitime Kriegsziel ist der gerechte Frieden

Im Dictionnaire Apologétique de la Foi Catho­lique kann man unter dem Stichwort „Paix et Guerre“ die Lehren des heiligen Augustinus zum Thema des Friedens und des Krieges finden. Sie lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:

„Erstens gibt es Kriege, die gerechtfertigt sind. Es sind jene, die mit der Absicht, eine schuldhafte Handlung des Gegners zurückzuweisen, geführt werden.

Die Belagerung von Akkon 1191

Jedenfalls aber muß der Krieg als das allerletz­te Mittel angesehen werden, das nur dann ange­wendet wird, nachdem man erkannt hat, daß es augenscheinlich unmöglich ist, auf andere Weise der gerechten Sache zum Sieg zu verhelfen. Denn, auch wenn der Krieg gerechtfertigt ist, verursacht er so viele und große Leiden – mala tam magna, tam horrenda, tam saeva [so großes, schreckliches und ernstes Unglück] –, daß man ihn nur unter dem Zwang einer unausweichlichen Verpflichtung beginnen darf.

Das Kriegsziel ist nicht der Sieg und seine Ge­nugtuungen, sondern ein gerechter Frieden, das heißt, die Wiederherstellung der dauerhaften öf­fentlichen Ordnung, in der alle Dinge wieder an den zustehenden Platz zurückgebracht werden. …

Schlacht bei Magenta von Adolphe Yvon

Schließlich bedeutet das Unglück des Krieges eine Strafe für die Sünden. Selbst dann, wenn eine Niederlage diejenigen demütigt, die Recht hatten, muß man diese schmerzliche Prüfung als von Gott gewollt ansehen, um das Volk zu strafen und zu reinigen von seinen Fehlern, die es als seine Schuld anerkennen muß“.[1]

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[1] YVES DE LA BRIERE, „Paix et Guerre“, im Dictionnaire Apologétique de la Foi Catholique, Gabriel Beauchesne Editeur, Paris, 1926, Bd. III, col. 1260.

 

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Papst Benedikt XV. hielt aus Anlaß der Veröffentlichung des Dekrets über die Heldenhaftigkeit der Tugenden des Seligen Marcelin Champagnat[1]  am 11. Juli 1920 eine Ansprache, aus der wir die folgenden Auszüge wiedergeben:

„Man braucht sich ja nur den Anfang des 19. Jahrhunderts anzuschauen, um sofort zu erkennen, daß in Frankreich viele falsche Propheten auftauchten, die von hier aus versuchten, überall den schädlichen Einfluß ihrer perversen Lehren zu verbreiten. Es waren Propheten, die sich als Rächer der Volksrechte aufspielten und ein Zeitalter der Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit ankündigten. Wer sah denn nicht sogleich, daß sie nur als Schafe  verkleidet waren – ‘in vestimentis ovium’ ?

Heilige Marcellin Joseph Benoît Champagnat

Doch die von diesen Propheten verkündete Freiheit öffnete nicht die Tore zum Guten sondern zum Bösen. Die von ihnen gepredigte Brüderlichkeit grüßte Gott nicht als einzigen Vater aller Brüder; und die von ihnen angepriesene Gleichheit stützte sich nicht auf den gleichen Ursprung oder die gemeinsame Erlösung und auch nicht auf das Ziel, das für alle Menschen dasselbe ist. Es waren Propheten, die eine Gleichheit predigten, welche die von Gott in der Gesellschaft gewollten Klassenunterschiede vernichtet. Es waren Propheten, welche die Menschen Brüder nannten, um ihnen den Gedanken gegenseitiger Unterordnung zu nehmen. Es waren Propheten, welche die Freiheit verkündeten, das Böse zu tun, das Licht Dunkelheit zu nennen, das Falsche mit dem Wahren zu verwechseln und das erstere dem letzteren vorzuziehen, dem Irrtum und dem Laster die Rechte und Gründe der Gerechtigkeit und der Wahrheit zu opfern.

Es ist leicht verständlich, daß diese Propheten im Schafspelz ihrem Wesen nach, d.h. in Wirklichkeit reißende Wölfe waren ‘qui veniunt ad vos in vestimentis ovium, intrinsecus autem sunt lupi rapacis’ [sie kommen zu euch im Schafspelz, sind aber in Wirklich­keit reißende Wölfe].

Henri Jean-Baptiste Grégoire, 1750-1831, war ein französischer Priester, Konstitutioneller Bischof und Politiker zur Zeit der Französischen Revolution.

Wen wundert es da, daß gegen diese fälschen Propheten das schreckliche Wort erklingen mußten: `Hütet euch vor ihnen!’ –  ‘attendite a falsis prophetis’.

Marcelin Champagnat hat dieses Wort vernommen, und er verstand auch, daß es nicht nur ihm galt. Deshalb wollte er zum Echo dieses Wortes unter den Kindern des Volkes werden, denn er sah sehr wohl, daß gerade diese Kinder wegen ihrer eigenen Unerfahrenheit und infolge der Unkenntnis ihrer Eltern in Religionsfragen den Grundsätzen von 1789 am leichtesten zum Opfer fielen. …

‘Attendite a falsis prophetis’: das waren die Worte dessen, der dem Strom der Irrtümer und Laster Einhall gebieten wollte, dem Strom, der sich infolge der Französischen Revolution über die ganze Erde zu ergießen drohte. ‘Attendite a  falsis prophetis’: das waren die Worte, die den Auftrag deutlich machen, den Marcelin Champagnats zu dem seinigen machte. Diese Worte dürfen nicht in Vergessenheit geraten, wenn man sein Leben studieren will.

Es ist nicht uninteressant, daß Marcelin Champagnat, geboren 1789, dazu bestimmt war, die praktische Umsetzung eben der Grundsätze zu bekämpfen, die mit der Zahl seines Geburtsjahres bezeichnet wurden und eine traurige, schmerzliche Berühmtheit erlangen sollten.

Um sein Werk zu rechtfertigen, hätte es genügt, das heutige Tagesevangelium weiterzulesen, denn ein einfacher Blick auf die Wunden, welche die 89er Grundsätze in den Schoß der bürgerlichen und religiösen Gesellschaft gerissen haben, würden zeigen, in welchem Maße jene Grundsätze die Summe aller Lehren der falschen Propheten beinhalteten: `a fructibus eorum cognoscetis eos’…

Zum Wachstum der Häuser der Kleinen Brüder Mariens [Maristen-Brüder] und zur Orientie­rung der dort lebenden jungen Menschen trug ohne Zweifel die Gottesmutter durch ein Bild bei, das zuerst erschien, dann wieder verschwand und schließlich wiedergefunden wurde. Wahrhaft wundervoll war jenes erste Aufblühen der Gemeinschaft, und es läßt sich nur durch das ununterbrochene, außerordentliche Anwachsen erklären, daß nicht ganz fünfzig Jahre nach der Gründung bereits fünftausend Brüder der neuen Institution hunderttausend über den ganzen Erdkreis zerstreuten Burschen auf dem ganzen Erdkreis heilsame Erziehung zukommen ließen.

Die Maristen-Brüder wurde am 2. Januar 1817 von dem französischen Priester Marcellin Champagnat in La Valla-en-Gier (Loire, Frankreich) gegründet.

Hätte der ehrwürdige Champagnat in prophetischem Licht diesen außerordentlichen Erfolg vorausgesehen, würde er sicherlich jene übergroße Anzahl von Jungen bedauert haben, die weiterhin im Schatten des Todes und in der Dunkelheit des Unwissens verblieben waren. Mehr noch hätte er bedauert, daß er nicht noch besser die unheilvolle Entwicklung des schädlichen Samens, der durch die Französische Revolution verbreitet worden war, aufhalten konnte. Ein Gefühl tiefster Dankbarkeit Gott gegenüber für das Gute, das von der Kongregation getan worden war, hätte ihn jedoch auch zu der Feststellung veranlaßt, daß so, wie sich aus den schlimmen Früchten der Lehre einiger zeitgenössischer Propheten deren Falschheit ableiten läßt, auch das Heran­reifen guter Früchte aus einem Werk auf dessen Güte schließen läßt. ‘Igitur ex fructibus eorum cognoscetis eos’.[2]

 

[1] Der Selige Marcelin Joseph Benedikt Champagnat, Gründer der Maristen-Schulbrüder, geboren am 20. Mai 1759 und gestorben am 6. Juni 1840, wurde von Papst Pius XII. am 29. Mai 1955 seliggesprochen.

[2] L’Osservatore Romano,  12.-13.7.1920, 2. Aufl.

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Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira. Anhang II, Teil 6, pp. 237-239

 

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C. Die Französische Revolution

Cornelius Jansen, auch Jansenius genannt. Seine Lehre wurde als Jansenismus bekannt.

Auch in ganz Frankreich dehnte sich die tiefgreifende Wirkung von Humanismus und Renaissance unter den Katholiken zu einer nicht enden wollenden Kette von Folgeerscheinungen aus. Der unglücklicherweise durch den Jansenismus und andere protestantische Gärstoffe des 16. Jahrhunderts im allerchristlichsten Reiche verursachte Niedergang der Frömmigkeit begünstigte im 18. Jahrhundert einen fast allgegenwärtigen Sittenverfall, der mit einer brillanten, aber frivolen Denkart und der Vergötterung des Erdenlebens einherging und so Schritt um Schritt der Religionslosigkeit den Weg bereitete. Zweifel an der Kirche, die Leugnung der Gottheit Christi, Deismus und beginnender Atheismus waren die Stationen auf dem Weg zur Apostasie.

Am 26. Oktober 1860 fand in Teano bei Neapel das Treffen zwischen Viktor Emanuel II. und Garibaldi statt.

Eng verwandt mit dem Protestantismus hat die Französische Revolution sein Erbe und das des Neuheidentums der Renaissance aufgenommen und ein in allem der Pseudoreformation .entsprechendes Werk geschaffen. Bevor sie mit ihrem Deismus und dem Atheismus Schiffbruch erlitt, ging es ihr um die Gründung einer Staatskirche, die in der Kirche Frankreichs den Geist des Protestantismus verwirklichen sollte. Und auch das politische Werk der Französischen Revolution ist nichts anderes als die Verwirklichung der „Reformation”, wie sie von den radikaleren protestantischen Sekten im Bereich der kirchlichen Organisation durchgeführt worden war, auf staatlicher Ebene:

Der Vertrag von Tolentino, der am 19. Februar 1797 zwischen der Papst Pius VI und Napoleon Bonapartes.

– Der Aufstand gegen den König entspricht dem Aufstand gegen den Papst;

– der Aufstand des gemeinen Volkes gegen die Adligen entspricht dem Aufstand des „gemeinen Volkes” in der Kirche, das heißt der Gläubigen, gegen den „Kirchenadel”, das heißt den Klerus;

– die Errichtung der Volkssouveränität entspricht der mehr oder weniger uneingeschränkten Leitung gewisser Sekten durch die Gläubigen.

Revolution und Gegenrevolution Von Plinio Corrêa de Oliveira. III KAPITEL, Teil 5-C. pp. 16-17.

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Der Hass Gegen das Herz Jesu Während der Französischen Revolution

29 June 2017

By Plinio Corrêa de Oliveira Vortrag am 14. August 1969 (*) Am Vorabend der Französischen Revolution verbreitete sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt. Die Offenbarung Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque, Theologen, die sich mit dem Thema befassten, machten diese Andacht überall bekannt. Im Gegenzug wurde diese Andacht von […]

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Kaiserin Eugénie Besucht Die Armen

15 June 2017

Die Szene spricht für sich selbst. Eine elegante Dame, Kaiserin Eugénie, die Ehefrau von Napoleon III., legt eine Börse, die einige Goldstücke enthält, in die Hand einer armen Frau, die von ihren drei Kindern umringt ist. Gekleidet wie eine Bürgerliche macht die großherzige Kaiserin zahlreiche Besuche, vor allem bei Kranken, in Spitälern und auch bei […]

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Der pazifistische und antimilitaristische Charakter der Revolution

1 June 2017

Das im vorausgegangenen Kapitel Gesagte macht es uns leicht, den pazifistischen und damit antimilitaristischen Charakter der Revolution zu verstehen. Die Wissenschaft wird Kriege, Streitkräfte und Polizei erübrigen Im Technologieparadies der Revolution hat immerwährender Friede zu herrschen, denn die Wissenschaft zeigt, daß der Krieg etwas Böses ist, und die Technik vermag alle Kriegsursachen zu verhindern. Daher […]

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Niedergang des Mittelalters

18 May 2017

Im 14. Jahrhundert zeichnet sich im christlichen Europa eine Mentalitätsänderung ab, die dann im Verlauf des 15. Jahrhunderts immer deutlichere Züge annimmt. Das Streben nach irdischen Freuden wächst sich zu einer wahren Gier aus. Die Vergnügungen werden immer häufiger und prunkvoller, und die Menschen schenken ihnen immer mehr Aufmerksamkeit. Der wachsende Hang zu einem lustund […]

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Ehe und Familie im Sperrfeuer revolutionärer Angriffe

4 May 2017

Mit Beiträgen von Plinio Corrêa de Oliveira Der Angriff auf die christliche Familie, der aus Politik und Medien geführt wird, kann niemanden unberührt lassen, der sich Sorgen um die christliche Zukunft Deutschlands macht. Die materiellen Lebensbedingungen der deutschen Familien verschlechtern sich zunehmend. Doch zudem findet ein Kulturkampf gegen Ehe und Familie statt, der sogar ihre […]

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Beerdigung Ihrer Majestät Zita

20 April 2017

“Gott erhalte, Gott beschütze, unsern Kaiser, unser Land!” Am 1. April 1989 erklang in Wien die alte Hymne. An diesem Tag wurde Zita, die Frau des letzten österreichischen Kaisers, zu Grabe getragen.  

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Ansprache Benedikts XV. an das Patriziat und an den römischen Adel vom 5. Januar 1920

6 April 2017

Bei den jüngsten Festlichkeiten zur Geburt Jesu Christi erklang Unserem Glauben wieder einmal der himmlische Gesang der Engel zum Lobe Gottes und des Friedens. Seit diesem seligen Tag werden gleich einem harmonischen Konzert in Unserer Nähe immer wieder die Stimmen des Glückwun­sches und anhänglicher Liebe laut, mit denen sich Unsere geliebten Söhne in der Ferne […]

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Reaktion und geschichtliche Unbeweglichkeit

23 March 2017

1. Was restauriert werden muß Wenn die Revolution Unordnung ist, so ist die Gegenrevolution die Restauration der Ordnung. Unter Ordnung aber verstehen wir den Frieden Christi im Reiche Christi; das heißt, eine strenge, hierarchische, wesenhaft sakrale, antiegalitäre und antiliberale christliche Kultur. 2. Was innoviert werden muß Es besteht ein historisches Gesetz in der Geschichte, demzufolge […]

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Die Eliten müssen den Ton setzen, ihre Manieren nicht vulgarisieren

9 March 2017

Ebenso schädlich wäre es für Adel und Bürgertum, sich in Verhalten und Kleidung gemein zu machen, um auf diese Weise die Revolution zu entwaffnen. Eine gesellschaftliche Autorität, die sich entwürdigt, ist schalgewordenem Salz zu vergleichen. Man kann es nur wegwerfen, und die Vorübergehenden werden es zertreten 19. In den meisten Fällen wird die Masse gerade […]

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Buchpräsentation in Wien

23 February 2017

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