Ansprache Papst Pauls VI. an Pilger slowakischer Abstammung aus verschiedenen Ländern, vor allem aber aus den Vereinigten Staaten und Kanada (14.9.63), zum elfhundertjährigen Jahrestag der Ankunft der Heiligen Cyrill und Methodius in Mähren:

Gemälde von Eugene de Blaas.

„Es ist für die katholische Erziehung charakte­ristisch, aus dem Geschichtsstudium nicht nur Ele­mente der Kultur und Erinnerungen an vergangene Zeiten zu empfangen, sondern auch die Empfin­dung einer lebendigen Tradition, die den geistigen Anteil an der moralischen Erziehung liefert. Aber nicht nur das, die Tradition bietet auch eine dau­ernde Orientierung für einen, die Zeiten hindurch geradlinigen und sich selbst getreuen Fortschritt, eine Garantie der Beständigkeit und Widerstands­fähigkeit. Sie gibt dem Volk seine Würde und sein Lebensrecht und bringt ihm die Verpflichtung nahe, in Harmonie mit den anderen Völkern zu leben.

Heimkehr von der Ernte (Am Zugersee). Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller.

Einer der häufigsten und schwersten Fehler der modernen Soziologie ist die Unter­schätzung der Tradition, das heißt, zu glauben, daß eine sichere und solide Gesellschaft ohne Rücksichtnahme auf geschichtlich gewachsene Fundamente errichtet werden könnte, auf denen sie naturgemäß gestützt ist. Dieser Irrglaube besagt auch, daß der Bruch mit der, von den vorangegan­genen Generationen ererbten Kultur förderlicher für ein Volk sein könnte, wie eine zügige Entwick­lung, die klugerweise dem Schatz des Denkens und der übernommenen Bräuche treu bleibt.

Prozessionszug bei der Waldkapelle in der Ramsau bei Berchtesgaden. Gemälde von Leopold Munsch.

Mehr noch, wenn dieser ererbte Schatz reich an jenen universellen und ewigen Werten ist, die der Katholische Glaube dem Gewissen eines Volkes einprägt, bedeutet das Festhalten an der Tradition eine Garantie für ein moralisches Leben dieses Volkes; es vermittelt ihm das Bewußtsein seiner Existenz und macht es würdig für den Empfang des göttlichen Beistandes, welcher der weltlichten Stadt etwas vom Glanz und der Ewigkeit der himmli­schen Stadt verleiht.[1]

[1] Insegnamenti di Paolo VI, Tipografia Poliglotta Vaticana, 1963, Bd. I, S. 131.

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­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, DOKUMENTE VI, #3

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Die Heimkehr

23/05/2019

Wir haben das Gespenst einer großen Krise heraufbeschworen, deren unmittelbare Ursache der bevorstehende Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems ist, der ein Zerbrechen unseres nationalen Konsenses und unseres “American way of life” zur Folge haben wird.

Unruhen in Griechenland 2010 & 2011. Foto von Philly boy92.

Diese Krise wird eine große materielle Verwüstung anrichten, doch ihre schlimmsten Auswirkungen werden spiritueller Natur sein. Obwohl wir auch einige praktische Richtlinien dafür präsentiert haben, was wir angesichts der gegenwärtigen Krise tun können, wird wirkliche Abhilfe in erster Linie in dieser spirituellen Sphäre zu suchen sein. Ohne eine große moralische Umkehr werden wir die ersehnte Rückkehr zur Ordnung nicht vollziehen können.

Was wir brauchen, ist eine Wiedererweckung, die sich mit den wesentlichen spirituellen Fragen beschäftigt, um die sich unsere große Auseinandersetzung dreht. Es wird uns nichts nützen, den Sturm zu überleben und unsere organischen Prinzipien umzusetzen, wenn wir dies mit dem gleichen unruhigen Geist tun, der uns in unsere gegenwärtige Notlage gebracht hat. Solange wir nicht die frenetische Maßlosigkeit ablegen, werden wir immer den Samen unserer eigenen Zerstörung in uns tragen. Wir müssen diese Rahmenbedigungen hinter uns lassen. Es muss eine grundlegende spirituelle Umwandlung stattfinden, die unsere Mentalität verändert und unser Handeln in eine neue Richtung lenkt.

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Gemälde von Nikolay Losev

Es ist schwer, in diesem Zusammenhang nicht auf den verlorenen Sohn zu verweisen, der seines Vaters Haus verließ, um ein Leben „frenetischer Maßlosigkeit” zu führen, und der seinen Fehler erkannte und sich reumütig auf dem Heimweg machte. Wenn wir für uns selbst eine Lösung finden wollen, müssen wir denselben Weg einschlagen.

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Rückkehr zur Ordnung: Von einer hektischen, getriebenen Wirtschaft zu einer organischen christlichen Gesellschaft, von John Horvat. Pg. Schlusswort

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Aus den Totengebeten für Philippe-Emmanuel von Lothringen, Herzog von Mercoeur et Penthièvre, gehalten vom hl. Franz von Sales (1567-1622), Fürst-Bischof von Genf und Kirchenlehrer, am 27. April 1602 in der Kathedrale Notre-Dame zu Paris:

Heilige Franz von Sales

„Immer ist es Gott selbst, der in uns unsere vollständige Errettung bewirkt, deren großartiger Baumeister Er ist: Er erteilt seine Gnadengaben jedoch auf verschiedene Weise; gewisse Gnaden­gaben erweist Er uns ohne unser Zutun und andere, je nach unseren Bitten, Werken und heißem Begeh­ren. Der Fürst Philippe-Emmanuel, Herzog von Mercoeur, empfing die erstgenannten Gaben in überreichem Maße, auf deren Grundlage er einen wunderbaren und perfekten Bau mit Hilfe der Gna­dengaben errichtete, die wir als zweite Gruppe genannt haben. Denn, in erster Linie ließ Er ihn das Licht der Welt im Schoße zweier – der hervorra­gendsten, ältesten – katholischen Geschlechter er­blicken, die es unter den Fürsten Europas gibt [das Haus von Lothringen und das Haus von Savoyen].

Es bedeutet, viel empfangen zu haben, Frucht eines edlen Baumes, Metall aus gutem Erz, ein Bach von guter Quelle her zu sein. …

Philippe-Emmanuel de Lorraine, duc de Mercœur

Wie ich schon sagte, ist der verstorbene Fürst für den Ruhm der Waffen und die Ehre der Kirche geboren worden, als würdiger Sproß zweier großen Geschlechter, von denen er nicht nur das Blut, sondern auch die edlen Tugenden ererbte: so wie zwei Bäche, vereint, einen großen Fluß bilden, so haben die beiden, väterlichen und mütterlichen Häuser der Großeltern des Fürsten in seiner Seele die schönen Eigenschaften, die sie besaßen, vereint und haben ihn in jeder Beziehung vollkommen, mit den besten Gaben der Natur, ausgestattet. Er konnte wohl – mit den Worten der Göttlichen Weis­heit – von sich sagen: `Puer autem eram ingeniosus, et sortitus sum animam bonam’ [Denn ich war ein Kind guter Art und habe bekommen eine feine Seele] (Weisheit 8, 19). Ein glücklicher Umstand für seine Tugenden war es, sich in einer so guten Umgebung zu befinden und ein großer Vorteil für seine Fähigkeit, sich umgeben von solchen Tugenden zu befinden. …

Ich habe es als gut erachtet, von seinem Ge­schlecht zu sprechen, obwohl es vielen so scheint, als ob ausschließlich unsere eigenen Taten uns wirklich gehören, da der Adel für uns nur etwas äußerliches zu sein scheint. Es ist jedoch in Wahr­heit so, daß die Herkunft für uns sehr wichtig ist und großen Einfluß auf unser Geschick hat. Das gilt sogar für unsere eigenen Unternehmungen, sei es, weil unsere Leidenschaften, die wir von unseren Vorfuhren oftmals geerbt haben, den ihren ähnlich sind, oder weil ihre Taten für uns unvergeßlich sind und schließlich, auf Grund der guten und beacht­lichen Einflüsse, die wir durch sie empfangen haben.[1]

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[1] Oeuvres Complètes de Saint François de Sales, Béthune Éditeur, Paris, 1836, Bd. II, S. 404-406

 

­Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius’ XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom von Plinio Corrêa de Oliveira, Dokumente IV, Nr. 9, Pg. 335-336

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Die sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen

25 April 2019

Obwohl auch wir der Ansicht sind, dass die Sphäre der Kirche hauptsächlich im spirituellen Bereich liegt, ist es eine Tatsache, dass die Kirche auch eine sichtbare Gemeinschaft der Gläubigen ist. Sie ist eine lebendige Kraft, eine organisierte hierarchisch geordnete Institution und ein öffentliches Forum, mit enormem Einfluss auf die Gesellschaft und damit auf die Geschichte. […]

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Das höchste Gu

11 April 2019

Da sich der Staat mit dem Gemeinwohl aller seiner Mitglieder beschäftigt, haben Aristoteles und katholische Autoren von Augustinus aufwärts den Staat als die höchste und wichtigste irdische Form der gesellschaftlichen Vereinigung angesehen. Dies ist der Grund, warum so viele sogar bereit waren, ihr Leben für seinen Fortbestand zu geben. Ein Staat dieser Art ermöglicht es […]

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Der Staat — Schutzmacht der allgemeinen Ordnung

28 March 2019

Als oberste Instanz stellt der organische Staat für diese Föderation die Einheit und die entsprechenden Rahmenbedingungen her. Weit davon entfernt, das Machtmonopol des modernen Staats für sich zu beanspruchen, ist der organische Staat nicht daran interessiert, diese untergeordneten Gruppen zu zerschlagen oder zu unterwerfen. Im Gegenteil, er arbeitet daran, die allgemeine Ordnung, die sie trägt, […]

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Maria, Josef und natürlich Jesus stammen aus königlichem Geschlecht

14 March 2019

Aus einer Predigt des heiligen Bernhardin von Siena (1380-1444) über den heiligen Josef: „Erstens bedenken wir den Adel seiner Gattin, das heißt, der Allerheiligsten Jungfrau. Die Glückselige Jungfrau ist das alleredelste aller Ge­schöpfe, die je in menschlicher Natur existiert haben mögen, die tatsächlich oder möglicherweise erschaffen worden sein könnten. Nach dem hl. Matthäus (1. Kap.) […]

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Adel ist eine Gabe Gottes

28 February 2019

Adelige Herkunft, eine wertvolle Gabe Gottes Adel ist eine Gabe Gottes Aus der Ansprache Papst Pius’ IX. an das Patriziat und den römischen Adel vom 17. Juni 1871: „Eines Tages stellte ein Kardinal, ein römischer Fürst, einen seiner Neffen, einem Unserer Vorgän­ger vor, der bei dieser Gelegenheit eine große Wahrheit verkündete: Die Throne erhalten sich […]

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Rückkehr zu den Gesetzen der Ehre

14 February 2019

Dieser Widerstreit zwischen entgegengesetzten Regeln ist nicht neu. Schon seit langer Zeit reflektiert die Geschichte zwei Seiten, zwei Lebensstile, zwei wirtschaftliche Ansätze, die sich gleichsam miteinander in einem ständigen Kampf befinden. Auf der einen Seite sehen wir die Herrschaft des Geldes, beruhend auf einer Reihe säkularer Werte wie Quantität, Funktion, Effizienz und Nutzen. Diese Regel […]

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Die Hilfsbereitschaft der Heiligen Königin Isabella, für den verarmten Adel

31 January 2019

Im Leben der heiligen Isabella, Königin von Portugal (1274-1336), finden wir folgende Bege­benheiten, welche die mildtätigen Züge ihres Charak­ters hervorheben: „Besondere Fürsorge widmete die Heilige den Personen, die, als Edelleute begütert gelebt haben und herunter gekommen waren, wobei die Scheu zu betteln, ihre Not und ihr Elend noch vermehrt hat. Diesen Armen half sie mit […]

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Die Mittelalterliche Organische Soziale Ordnung

17 January 2019

„Klerus, Adel und Volk“. Diese Dreiheit erinnert natürlich an die repräsentativen Versammlungen, die für das Funktionieren vieler Monarchien des Mittelalters und des Ancien Régime kennzeichnend sind: die Cortes (Ständeversammlungen) in Portugal und Spanien, die Generalstaaten in Frankreich, das Parlament in England usw. Diese Versammlungen stellten eine rechtsgültige Vertretung der Nation dar, denn sie gaben getreulich […]

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Ein Fest der Ehre und des Friedens

3 January 2019

Von Plinio Correa de Oliveira „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede unter den Menschen guten Willens“ (Lk 2, 14). Jedem Katholiken, der sich in die Betrachtung des heiligen Weihnachtsfestes vertieft, kommen über kurz oder lang die harmonievollen, erleuchteten Worte in den Sinn — fast würden wir sagen ins Ohr — mit […]

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Weihnachten und Fatima: Scheinbare „Utopien“, glänzende Wirklichkeiten

20 December 2018

Von Plinio Corrêa de Oliveira Unsere feste Überzeugung des universalen Triumphes der Katholischen Kirche und einer bevorstehenden Wiederherstellung der christlichen Ordnung, könnte in Vielen einen – klaren oder unbewussten – Einwand aufkommen lassen: Wenn wir den enormen Verfall der Gegenwart betrachten, sind diese Hoffnungen nicht ein utopischer Traum, eine Phantasie, die sich nicht verwirklichen lassen? […]

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