Beim Festakt am 24. Januar 2012 im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt sprach Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Georg Friedrich von Preußen über König Friedrich II., dessen 300. Geburtstag am 24. Januar begangen wurde. Der Chef des Hohenzollernhauses sprach über seine Vorfahren ebenso wie über seine Familie und regte dabei alle an, über ihre eigene Familie nachzudenken.
Denn wir preisen manche christlichen Kaiser nicht darum glücklich, weil sie länger regierten oder eines sanften Todes starben und ihren Söhnen die Herrschaft hinterließen, oder weil sie die Feinde des Staates niedergeworfen und bösartige Bürgeraufstände entweder verhütet oder unterdrückt haben. Solche und andere Gnadengaben und Tröstungen dieses sorgenvollen Lebens konnten auch Dämonenverehrer empfangen, die am Himmelreich keinen Anteil haben wie sie; und zwar ist es Gottes Barmherzigkeit, die das so fügt, damit die an ihn Glaubenden dergleichen Erdengüter nicht als Höchstes von ihm begehren.
Sondern glücklich nennen wir sie, wenn sie gerecht herrschen, wenn sie trotz aller schmeichlerisch verhimmelnden und kriecherisch unterwürfigen Reden sich nicht überheben und nicht vergessen, daß sie Menschen sind, wenn sie ihre Macht in den Dienst seiner Majestät stellen und die Gottesverehrung so weit wie möglich ausbreiten, wenn sie Gott fürchten, lieben und verehren, wenn sie jenes Reich am meisten lieben, in dem sie keine Mitregenten zu fürchten brauchen, wenn sie langsam sind zu strafen und gern Nachsicht üben, wenn sie Strafe nur darum verhängen, weil Leitung und Schutz des Staates es fordern, aber nicht um Rachgier zu befriedigen, wenn sie Nachsicht.
Gewähren, nicht um Vergehen straflos zu lassen, sondern in der Hoffnung auf Besserung, wenn sie harte Erlasse, zu denen sie oft gezwungen werden, durch erbarmende Milde und gütige Freigebigkeit ausgleichen, wenn sie von Ausschweifungen sich um so mehr zurückhalten, je ungehinderter sie sich ihnen ergeben könnten, wenn sie lieber über ihre schlimmen Leidenschaften als über fremde Völker herrschen, und wenn sie dies alles tun nicht aus Gier nach eitlem Ruhme, sondern aus Verlangen nach der ewigen Seligkeit, wenn sie auch nicht unterlassen, für ihre Sünden ihrem wahren Gotte das Opfer der Demut, der Klage und des Gebetes darzubringen.
Solche christlichen Kaiser nennen wir glücklich, einstweilen nur in Hofnung, künftig aber voll und ganz, wenn eingetroffen ist, was wir erwarten.
Sie war am 23. September 1759 zu Versailles geboren. Ihr Vater war der Dauphin Ludwig, der Sohn des damals regierenden Ludwig XV. und Schwester des späteren Königs Ludwig XVI.
An einem duch seine Sitelosigkeit verrufenen Hofe bewahrte ihr Vater Tugend und Frömmigkeit. Schon im Jahre 1767 war Klothilde, die in der Furcht des Herrn aufgewachsen war, eine Doppelweise.
Am 17. August 1775 heiratete sie in der Schloßkapelle zu Versailles den Thronernben von Piemont. Karl Emaniel. Er war sehr religiös, seine Grundsätze und Gesinnungen unterschieden sich nicht von der ihreigen.
Als Prinzessin setzte die Dienerin Gottes (*) ihre gewohnten religiösen Übungen fort. Drei- bis viermal in der Woche ging sie zumTische des Herrn. Ihre religiösen Übungen hinderten sie keinesgwegs and er Erfüllunh ihrer Standespflichten und an der Ordnung ihres Hauswesens. Den Dienstboten war sie eine liebevolle Herrin. Sie nannten sie eien Engel. Gegen ihre edle Schwiegermutter hatte sie eine besondere Zuneigung und tat nichts ohne ihren Rat. Ihrem Gemahl war sie in der liebenswürdigsten Weise untertänig. Den Armen ließ sie durch die Hand anderer reichliche Almosen zukommen.
Klothildens ganzes Leben war ein Kreuzweg. Schon mit acht Jahren hatte sie Vater und Mutter verloren, ihr Bruder Ludwig XVI. und ihre Schwester Elisabeth endeten auf dme Schafott, ihr Neffe (Ludwig XVII.) starb infolge grausamer Behandlung eines frühen Todes. Aber gotttergeben ertrug die Dulderin diese fürchterlichen Schläge.
Als sie am 16 Oktober 1796 Königin von Piemont wurde, änderte sie in keiner Weise ihre bisherige Lebensweise. Schon nach zwei Jahren nahm die französische Republik dem Gatten alle Besitzungen und zwang ihn als Verbannten nach Sardinien zu gehen. Auch hier verlor Klothilde ihren Starkmut nicht und richtete ihren bekümmerten Gemahl auf. Bald darauf kam sie mit dem König nach Rom, wo Papst Pius VI. sie herzlich empfing. Von Rom begab sich Klothilde nach Neapel, wo sie den ehrwürdigen Barnabiten, Pater Biachi, kennen lernte, aus dessen Seelenführung sie großen Trost für ihre daniederliegende Seele Schöpfte.
Sie verschied in Neapel, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten, am 7. März 1802 im Alter von 42 Jahren. In der Krankheit, die ihrem kostbaren Tode vorausging, bekundete sie eine große Sehnsucht nach dem Himmel. Oftmals sagte sie zu ihrem Beichtvater, dem P. Marino: „O diese Ruhe, dieser Friede! Wie schön ist der Himmel! Zum Himmel! Zum Himmel!“ und klatschte bei diesen Worten in die Hände. Ihr Todeskampf erschien als sanfter Schlummer. Als der berühmte Doktor Cotugno, der bei ihrem Verscheiden zugegen war, dem Könige entgegenging, um ihn vom Eintritt in das Zimmer der Verstorbenen abzuhalten, sagte er, anstatt ihm zu konholieren, mit dem Ausdruck der Freude: „Ich freue mich mit Ew. Majestät, das ein Engel in den Himmel geflogen ist.“
(*) Papst Pius VII., der Maria Klothilde persönlich gekannt hatte, leitete am 10. April 1808 ihren Seligsprechungsprozess mit ihrer Erklärung zur Ehrwürdigen Dienerin Gottes ein. (Wikipedia)
Aus „Das Ende großer Menschen“ von Anton Steeger, Regensburg 1915, Verlagsanstalt vorm. G.J. Manz, Buch- und Kunstdruckerei A.-G., München, Regensburg, S.1
